PuMa führt russische Kinderpflegerin und Kita in Stuttgart zusammen

„Nachdem ich 2010 im Rahmen meines Studiums ein Praktikum in Deutschland gemacht hatte, hätte ich gerne noch länger in Deutschland gearbeitet“, sagt Elena Sukhorukikh aus Russland. Doch mehr als temporäre Möglichkeiten gab es für die damals noch angehende Grundschullehrerin nicht. Ein Jahr später war sie noch einmal als Au pair und 2012 für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland, während dem sie in einer Kita in Stuttgart arbeitete. Das hätte sie anschließend gerne weiter gemacht. Doch selbst nach ihrem Studienabschluss hieß es, ein Visum für eine reguläre Beschäftigung sei für sie nicht möglich. Dann stieß Elena Sukhorukikh bei ihren Internetrecherchen auf die internationalen Beratungs- und Vermittlungsangebote der Bundesagentur für Arbeit. Sie rief an und erfuhr so von dem PuMa-Projekt. Seit dem 19. Oktober 2017 arbeitet sie nun als Kinderpflegerin, dem bundeslandspezifischen Äquivalent zur Sozialpädagogischen Assistentin, in einer Kindertagesstätte des freien Trägers Polifant in Stuttgart.

„Ich war zunächst etwas skeptisch, ob eine Vermittlung als Kinderpflegerin realisierbar wäre, da die meisten Einrichtungen in der Region Erzieherinnen suchen“, erinnert sich Stefan Sonn, internationaler Arbeitsvermittler in der BA, der ihr die Stelle vorschlug. „Da Frau Sukhorukikh am liebsten im Großraum Stuttgart arbeiten wollte, wendete ich mich an unsere Kollegen der dortigen Agentur für Arbeit und bekam die Empfehlung, mit dem Träger Polifant zu sprechen. Der Arbeitgeber zeigte sich sofort interessiert und vereinbarte innerhalb kurzer Zeit ein persönliches Vorstellungsgespräch mit Frau Sukhorukikh.“ Ebenso schnell entschied sich Polifant, die Bewerberin aus Russland mit unbefristetem Arbeitsvertrag einzustellen. Bei den noch offenen Fragen zum Ablauf des Arbeitserlaubnisverfahrens unterstützte Stefan Sonn ebenfalls.

Die für eine Visumvergabe über PuMa nötigen 100 Punkte erreichte Elena Sukhorukikh über ihre Sprachkenntnisse. Neben ihren vorherigen Stationen in Deutschland war Deutsch auch einer ihrer Studienschwerpunkte in Russland gewesen. „Zusammen mit meinen Voraufenthalten in Deutschland oder anderen EU-Ländern wäre ich aber auf über 100 Punkte gekommen“, sagt sie lachend. Hilfe bei der Eingewöhnung benötigte sie durch diese Vorerfahrung nicht. Stuttgart und Umgebung kannte sie bereits gut aus ihren vorherigen Aufenthalten, bei der Wohnungssuche unterstützten sie Bekannte vor Ort.

„Mit Frau Sukhorukikh haben wir eine einzigartige und zuverlässige Mitarbeiterin für uns gewinnen können, die mit ihrer offenen und fröhlichen Art die Kinder jeden Tag aufs Neue begeistert“, sagt Michaela Nowraty, Geschäftsführerin der Polifant gGmbH. „Sie hat sich super in das Team unserer Kindertagesstätte ‚belle maison‘ in Stuttgart-Ost eingelebt. Nicht nur für uns als Arbeitgeber, sondern vor allem für die Kinder ist Frau Sukhorukikh eine Bereicherung, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausübt.“ Langfristig will Polifant sie dabei unterstützen, sich zur vollwertigen Erzieherin weiterzuentwickeln. Und nach den positiven Erfahrungen mit ihr ist man auch weiteren neuen internationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht abgeneigt: „Auch zukünftig werden wir uns dafür einsetzen, Fachkräften aus Drittstaaten den Berufsstart in Deutschland zu ermöglichen und zugleich dem allgemeinen Fachkräftemangel im pädagogischen Bereich entgegenzuwirken“, so Michaela Nowraty.

„Die Geschichte zeigt, wie wichtig eine enge, abgestimmte Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure und eine gute sprachliche Vorbereitung für eine erfolgreiche Vermittlung und schnelle Integration ausländischer Fachkräfte ist“, hebt Alexander Wilhelm, in der Bundesagentur für Arbeit verantwortlich für den Bereich Internationale Zusammenarbeit, hervor. „Um mehr bei uns benötigten Fachkräften den erfolgreichen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu ermöglichen, sind daher auch mehr und bessere Angebote für den Erwerb der deutschen Sprache im Ausland nötig. Es ist daher wichtig, dass dies jetzt – neben anderen noch wichtigen Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen – im Zusammenhang mit dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz adressiert wird.“

Elena Sukhorukikh jedenfalls ist endlich in ihrer Wunschheimat angekommen, auch beruflich. „Ich mag Stuttgart und die Region sehr“, sagt sie. „Und da in den Kita-Gruppen viele Kinder sind, die mehrsprachig aufwachsen, kann ich durch meinen eigenen Hintergrund einiges in die neue Arbeit einbringen.“